Freitag, 13. November 2015

Bekenntnisse eines Mauerblümchens.

Ich bin ein Mauerblümchen.

Definition (Mauerblümchen, das; feminin)
1. Single (und noch nie einen Freund gehabt)
2. Unbeliebt
3. Unsicher in sozialen Situationen
4. Trinkt kein Alkohl
5. Langweilig
6. Bitter wie Bitter Lemon

Mittwoch war Minas Geburtstag. Wegen einem Kolloquium war ich bis sechs in der Uni und bin dann mit Yuria und den anderen zu Minas WG gefahren, wo ich meine Sachen abgeladen habe. Danach gings in eine Bar.

Das ist so eine ungewohnte Situation. Lauter laute Leute, unbekannte und bekannte Gesichter. Der Tequila Sunrise ist erst süß, dann bitter, ich trinke so gut wie nie Alkohol. Nervöser Smalltalk mit Leuten aus der Uni, immer auf der Hut, dass man nichts Peinliches sagt.
Mir ist ein bisschen übel. Ich teile mit Yuria eine Pizza, sie ist süß, weil Sesamhonig darauf ist. Eigentlich ist der Abend bisher ganz gut. Gegen 12 gratulieren wir Mina, sie freut sich. Zum ersten Mal gehe ich in die beliebteste Unikneipe. Ich nenne sie Merkur. Das Merkur ist kleiner als ich mir vorgestellt habe. Und ziemlich voll. An der Gaderobe geben sie uns Papierschnitzel - finde dein Match und du bekommst ein Getränk. Aus unserer Gruppe hatte einer auch das gleiche Motiv. Erdbeerlimes. 
Die Luft auf der Tanzfläche ist fast nur Rauch. Dichter Rauch, der schmeckt wie ein Inhalator. Die Musik ist mies, aber was soll's. Ich trinke keinen Alkohol mehr. Er macht mich eher müde. Mina ist wunderhübsch. Klein und zierlich. Und anscheinend hat sie eine bombastische Austrahlung auf Männer. Sie wird sooft angeflirtet, wie ich mit den Augen blinzele.

Ich glaube mir fehlt etwas Entscheindes. Etwas in der Aura. Und das hat nichts mit Aussehen oder Gewicht zu tun. Vielleicht bin ich zu langweilig oder zu prüde, weil ich es nicht mag, von fremden Männern angelächelt zu werden. Ich will auf der Tanzfläche nur tanzen. Aber dieses Entscheidende was mir fehlt, das sorgt auch dafür, dass ich so schwer glücklich sein kann, dass ich immer unzufrieden und bitter bin.

Ich lande wohl als verrückte Katzenfrau unter einer Brücke. Wir sind gegen 5 zu Hause und schlafen nur bis halb 10. In einem kleinen Café teilen wir uns ein Frühstück für eine Person zu viert und gehen shoppen. Ich mache regelrecht einen Großeinkauf, dabei wollte ich doch sparen?
Italienisch ruft. Lange zwei Tage gehen totmüde um 7 Uhr zu Ende. Heute war ich arbeiten und dann beim Zumba. Ich will für meine Arbeitskollegen einen Adventskalender basteln. Stille Nacht. 


3 Kommentare:

  1. Ich erkenne mein früheres Ich darin in Teilen wieder ... bei mir lag es tatsächlich daran, dass ich mich selbst nicht sonderlich mochte; deswegen habe ich mich immer unscheinbar und langweilig gefühlt.
    Es ist wurde mir aber erst danach bewusst, wie unzufrieden ich mit mir gewesen bin und dass es daran lag ... es ist schon was dran an dem Gelaber, dass man 'nur' sich selbst mögen muss, um andere von sich zu überzeugen und so, weil die anderen bzw. ihre Meinung plötzlich nicht mehr so wichtig sind, wenn man mit sich selbst im Reinen ist.

    Klar, das klingt alles so floskelig, aber es stimmt.

    Alles Liebe. <3

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  2. hey du, alles okay bei dir? lass dir mal liebe grüße da ♥ schönen tag dir noch :)

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  3. ich war früher auch schüchterner und neue Leute kennenzulernen hat mir ebenso Überwindung gekostet wie dir...ich habe mich eher aufs Zuhören verlegt bei Gesprächen, weil ich auch immer dachte, dass es niemanden wirklich interessieren würde, was ich zu erzählen habe. man muss glaub ich wirklich aus sich raus gehen und in sich selbst vertrauen. wahrscheinlich liegt das Geheimnis irgendwo dort versteckt, dass man sich selbst akzeptieren und lieben sollte...wenn man zufrieden ist strahlt man das wahrscheinlich wirklich aus und sich zu verstellen, bringt einen meistens auch nicht weiter. aber keine Sorge, dass ist ein prozess und der geht meist langsam vor sich, man braucht Gedult, so war es irgendwie bei mir. ich wünsch dir alles gute....was studierst du eigentlich mit all den vielen Sprachen und welche lernst du eigentlich bzw sprichst du bereits?
    saludos
    maría

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